Vita

annyundsibelBUCH

 

Anny Öztürk
1970 geboren in Istanbul/ Türkei
1995-2001 Studium an der Städelschule – Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt
Meisterschülerin


Sibel Öztürk
1975 geboren in Eberbach/Neckar (D)
1997 – 2003 Studium an der Städelschule – Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt
Meisterschülerin von Prof. Ayse Erkmen


Einzelausstellungen (Auswahl)
1999  19, Galerie Anita Beckers, Frankfurt
2000 Evelyn, 1822-Forum, Frankfurt
2002 Anny und Sibel Öztürk, Kunsthalle Darmstadt
nobody..s diary, dontmiss, Frankfurt
Superheroes-Fastrackman , Galerie Vera Gliem, Köln
2003 Take me where I want to be…, Galerist, Istanbul (TR)
Markus, Studio Ayse Erkmen W12, Frankfurt
            Stars & Stripes – no games, just sport , Bonner Kunstverein
2004 One Gleam or the Other, Galerie Vera Gliem, Köln
2005 Lido, Kunsthalle Düsseldorf
HAFENKÜCHE, 6 Monatiges kuratier -und Bewirtungsprojekt im Hafen 2a in Offenbach
2006 Ring Ring Ring , Skulpturale Lichtinstallation zur Luminale, Offenbach
2007 Mehr Licht!, Rond-Point Schuman, Brüssel (B)
           Wo ist Zuhause? No.4 – Anny und Sibel Öztürk, Museum am Ostwall,Dortmund
2009 Temporary Imperfect Incomplete, Galerie Perpètuel, Frankfurt
            Hafenstudio, Hafen 2, Offenbach
2010 from inner to outer shadows, Galerie Schader, Darmstadt
2011 salon noir des artistes, Kuration, Programm und Bewirtungsprojekt, atelierfrankfurt
          unspeakable home, My Berlin Wall, Berlin
2012 KorridorGalerie/Studio Satellite (Kuratation), Atelierfrankfurt, Frankfurt
2013 Länderboten – Ausstellungsprojekt zum Büchnerjahr von Anny und Sibel Öztürk und Heiner Blum, Klingspormuseum, Offenbach
Labor, Wohnbüro Offenbach
2014 SAY, SAY, SAY, Lichtinstallation im öffentlichen Raum zur Luminale, Rathaus, Offenbach

          Das Auge des Sammlers, 11m2, Berlin
          Das Auge des Sammlers, Lili Tempel, Offenbach

2018 Wallhangings Floorlayings, MyBerlinWall, Berlin


Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
1998 Stuttgart, 17.7.1956-Salem (Wis.)/USA, 3.3.1977, Portikus, Frankfurt
           Surrender, aeroplastics and damastic, Brüssel (B)
1999 Oh! Hitchcock , Kunsthalle Tirol, Hall (A)
2000 Man muss ganz schön viel lernen, um hier zu funktionieren, Frankfurter Kunstverein
            I love you too, but…, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
2001 Germania, Palazzo delle Papesse, Siena (I)
           Blondies and Brownies , Aktionsforum Praterinsel, München
           Rundgang VII-German Leitkultur, Kunsthalle Fridericianum, Kassel
           Heimaten, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
           Vasistas, Teknik Üniversitesi/im Rahmen der Biennale Istanbul
2002 Get Out!, Galeria Arsenal, Bialystock (PL)
             Kunst macht Schule, Saarlandmuseum, Saarbrücken
             Intermedium 2-Multiple Choices , ZKM, Karlsruhe
            Touristische Blicke, Kunstverein Wolfsburg
            Selbstbildnisse , Kallmann-Museum Ismaning, München
            Kunst und Technik, Mannheimer Kunstverein
2003 Writing Identity, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
            Absolvenz , Austellungshalle des Städelmuseums, Frankfurt
            Call me Istanbul ist mein Name, ZKM Karlsruhe
            Brothers & Sisters & Birds, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
            ID Troubles-Shake, Halle für Kunst, Lüneburg
            Cetinje Biennale – Love it or Leave it, Cetinje, Montenegro
            Monitoring, 21. Kasseler Documentarfilm- und Videofestival
2005 Coolhunters, ZKM Karlsruhe
ID Troubles – US Visit, NurtureArt Gallery, New York (USA)
            Coolhunters, Künstlerhaus, Wien (A)
            Roadmap to Europe. Eine Ausstellung zum Projekt Migration, Kölnischer Kunstverein, Köln
2006 Coolhunters, Mucsarnok – Kunsthalle Budapestn (Ungarn)
            Kulturzone06 , Kinderakademie, Schirn Kunsthalle, Frankfurt
            Gegenstände, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
            Fremd bin ich eingezogen, Kunsthalle Fridericianum, Kassel
2007  The International Encounter: MedellÌn 07 / Contemporary Artistic Practices, Medellin, Kolumbien
             ABWEHR 2007, Öffentlicher Raum Berlin
            Open Doors, Atelierfrankfurt, Frankfurt
             Türkisch Delight, Städtische Galerie Nordhorn, Nordhorn
            Be realist! Ask the impossible!, Karsi Sanat Galerisi, Istanbul (TR)
            Hans im Glück, K2 Art Center, Izmir (TR)
2008 Schaum, Mannheimer Kunstverein
            Anywhere i lay my head, Römer9, Frankfurt
2009 Instant Melancholia, Raum 121, Frankfurt
            ICI Berlin, La Condition Publique, Lille (F)
            Memleket.Heimat, Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt
2010 Biennale für Internationale Lichtkunst 2010, Essen
           Playing the City 2, Schirn, Frankfurt
           Vestry 12, Vestry, Frankfurt
           LOVE KILLS. Betting on the muse, Frankfurt
            New Frankfurt Internationals, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt
           Fichtennadel, Diamentenbörse, Frankfurt
2011 NevNesil – Savunma Sanati, Galerie Nev, Ankara (TR)
          X-Wohnungen, öffentlicher Raum, Mannheim
          Uncanny Valley, Architektursommer, Offenbach
          Heimatkunde. Eine kosmopolitische Inventur, Jüdisches Museum, Berlin
          Saluting the End, Jaus, Los Angeles, USA
          12 im 12., TANAS, Berlin
2012 Portraits – über Selbstbildnisse und andere Personen, Galerie Wolfstaedter, Frankfurt

2014 Eröffnung, Zollamt Studios, Offenbach
2016 Doppelgänger, TAM – Torrance Art Museum, Los Angeles, USA
2017 200 Jahre Städelschule, Galerie Perpetuel, Frankfurt

 

 

 

Mehr Licht!

Anny und Sibel Öztürk  

Round-Point-Schuman, Brüssel, Belgien im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft, 2007
Mehr Licht

Eine temporäre Lichtinstallation für den Place Schuman, Brüssel

Photo: Yvan Glavie

Photo: Yvan Glavie

Das Projekt
Der Place Schuman ist ein von starkem Verkehr frequentierter Platz. Dieser Verkehr bestimmt im Wesentlichen das Leben und die Bewegungen auf dem Platz und sorgt tagsüber für eine konstante, sich stets in dynamischem Fluss befindliche Geräuschkulisse. Dieses akustische Platzgeschehen erfährt mit der Installation „Mehr Licht“ eine visuelle Übertragung: Klang wird in Licht übersetzt.
Im Grüngürtel des Platzes wird eine Stahlkonstruktion aufgestellt, die in einer Höhe von etwa drei bis vier Metern ein Band von vertikal nebeneinander angeordneten Lichtröhren hält. Die Installation folgt der Bogenform des Platzrundes und umschließt diesen. Die Konstruktion ist offen und hält die Röhren so, dass sie vom Straßenraum, wie auch vom Platzinneren her gleichermaßen gesehen werden können.
Die Lichtröhren präsentieren ein in seiner Gestaltung auf das Platzgeschehen reagierendes Farbund Formenspiel. Vermittels einer zentralen Computersteuerung und mit Hilfe von auf den Verkehr ausgerichteten Mikrophonen, korrespondiert die Lichtregie mit dem akustischen Geschehen, das den Platz umschließt. Je intensiver und dynamischer diese Klanggestaltung ausfällt, desto farbenreicher wird das Lichtspektrum und desto schneller vollzieht sich sein Wechsel.
Vom Platzinneren her können Passanten mit Hilfe eines im Platz installierten ’touch-pads’ Lichtsignale auslösen. Den vom Platzaußenraum oder Platzinnenraum ausgesandten Signalen werden unterschiedliche Farben und Formprogramme zugewiesen, sodass sich die Herkunft der Lichtsignale
leicht bestimmen lässt.
Als Lichtröhren kommen LED-Röhren zum Einsatz. Diese ansteuerbaren Lichtröhren sind ein besonderer Blickfang. Wechselnde Farben und dynamische visuelle Effekte werden über die Röhren verteilt. Das Steuergerät gewährleistet weiches Licht, eine breite Farbpalette, schnelle Reaktionsfähigkeit
und fließende Farben.
Die Installation „Mehr Licht“ bezeichnet zwei Räume, den Straßenraum und den Platzinnenraum. Sie grenzt diese gegeneinander ab und bringt sie in einem interaktiven Kommunikationsprozess über Lichtsignale miteinander in Verbindung. Über diese Licht- Farb- und Formenspiele werden dieser
Dialog und die den Platz bestimmende urbane Dynamik über eine Übertragung in visuelle Zeichen optisch nachvollziehbar. Auf diese Weise vermitteln sie sich auch dem Blick aus den umliegenden Gebäuden heraus.
Lästiger Straßenlärm wird in Licht- und Musterstrukturen übersetzt. Er erfährt darin seine Sichtbarmachung wie auch seine Übertragung in ein positives Phänomen.

Der Ort
Der Place Schuman ist ein für Europa wichtiger Platz. Hier ist neben dem Europäischen Rat im „Justus-Lipsius-Gebäude“ auch der Sitz der Kommissionspräsidenten und Kommissare im „Berlaymont“.
Der Platz bildet ein Kreisrund zwischen diesen und einer Reihe anderer Gebäude. Aus verschiedenen Himmelsrichtungen laufen Straßen in klar überschaubaren Achsen auf den Platz zu.

Photo: Yvan Glavie

Photo: Yvan Glavie

Die Ausrichtung der Installation
Die Installation ist auf drei Ausrichtungen hin konzipiert.
A. Der Straßenraum
Auf der Straßenebene zeigt sich die Installation den Autofahrern bereits von Ferne. Nähert man sich auf einer der sternförmig auf den Place Schuman zulaufenden Straßen, so wird man aus einiger Entfernung das bewegte Lichterspiel wahrnehmen und damit auch den Platz selbst. Indem die Installation
sich auf den vorbeiziehenden Verkehr ausrichtet und diesen als Kommunikationspartner annimmt, präsentiert sich „Mehr Licht“ als wahre ’drive by art’. Den Autofahrern wird mehr geboten als nur farbenfrohe Lichteffekte, vielmehr wird ihnen die Konsequenz ihres Handelns aufgezeigt. Der von ihnen
verursachte Lärm, den sie anders als jede andere Person im öffentlichen Raum, geräuschgeschützt im Inneren ihres Fahrzeuges nicht wahrnehmen muss, wird ihnen in Lichtzeichen übersetzt vor Augen geführt. Diese Sichtbarmachung geschieht mit sehr einfachen Mitteln, auf eine heitere und freundliche Art. Dabei wird auch der kurzen Wahrnehmungsspanne der vorbeifahrenden Autofahrer Rechnung getragen. Die Botschaft nimmt eine abstrakte Form an und kann in eben diesem Verzicht auf Komplexität an Klarheit und Deutlichkeit gewinnen.
B. Das Platzinnere
Im Platzinneren erhebt sich die Installation als den Platzinnenraum geschlossen nach Außen begrenzende Form. Darin vermittelt sie erstmals zwischen der Platzfläche einen bedingten Raum, der von den umliegenden Gebäuden bestimmt wird. Die Besucher auf dem Platz erhalten Gelegenheit, aus der Passivität ihres Schweigens dem Verkehrslärm gegenüber herauszutreten und über Lichtzeichen mit diesem in einen Dialog zu treten. Das Computerprogramm der Installation sieht eine Bevorzugung der vom Platzinneren ausgesandten Signale vor. Ihnen werden außerdem eigene Farben-
und Musterstrukturen zugewiesen. Dies erleichtert eine Unterscheidung der Signale und ihres Ausgangspunktes. Hier können also endlich die vom Lärm bestimmten Passanten eine leuchtende Stimme über den scheinbar übermächtigen Straßenverkehr erheben.

Doch der Straßenverkehr ist nicht der einzige mögliche Adressat der ausgesandten Zeichen. Auch die umliegenden Gebäude und die sich in ihnen aufhaltenden Personen sind Empfänger der vom Platz ausgestrahlten Lichtsignale. Und welche Botschaften auch ansonsten von diesem Platz aus
an die Menschen in den Gebäuden ausgesandt werden mögen, hier werden freundlicherweise Licht, Farben und Formen auf die Reise geschickt.
C. Der Fensterblick
Der Blick aus einem der Fenster der umliegenden Gebäude auf den Platz markiert eine weitere wichtige Position, auf die hin sich die Installation ausrichtet. Zugleich jedoch ermöglicht der Fensterblick die einzigartige Zusammenschau der Vorgänge, Bewegungen und Signale um den und auf dem
Platz. Hier lässt sich der bunte „Widerstreit“ zwischen Passanten und Autofahrern ebenso beobachten wie das bildhaft übersetzte Pulsieren urbanen Lebens.

Photo: Yvan Glavie

Photo: Yvan Glavie

Das Lichtspiel
Die Installation erzeugt eine durch Licht animierte Endlosbegleitung des Platz-geschehens. Die Röhren werden so angebracht, dass sie im Innenraum, im Außenraum und aus den umliegenden Gebäuden gleichermaßen gut zu sehen sind.
Die LED-Röhren erlauben die Herstellung eines farben- und formenreichen Bildprogramms. Auslöser oder Impulsgeber sind zum Straßenverlauf hin installierte Mikrophone und ein oder mehrere ’touch pads’ auf dem Platz. Diese Impulse werden an einen Computer weitergeleitet, der darauf mit
vorbereiteten Programmen reagiert. Den unterschiedlichen Quellen der Impulse lassen sich unterschiedliche Farben und Formenprogramme zuordnen. Es lassen sich ebenso unabhängig von allen akustischen Impulsen festgelegte Programme einspielen.
Bei abnehmendem Geräuschpegel, zum Beispiel in den Abendstunden, wird die Empfindlichkeit der Mikrophone leicht erhöht, so dass schon ein einzelnes vorbeifahrendes Auto ein eigenes Lichtereignis auslösen kann. Ansonsten bietet die Skulptur im Ruhezustand ein ausgewogen harmonischesLicht- und Farbenprogramm.
Der formale Charakter der Installation
1963 montierte der amerikanische Künstler Dan Flavin eine genormte Leuchtstoffröhre in einem 45 Winkel an die Wand seines Ateliers und erklärte sie als „Diagonale (für Constanin Brancusi)“ zum eigenständigen Kunstobjekt. In seinen fortan auf dem Einsatz von genormten Neonröhren basierenden
Objekten und Installationen ist das ausstrahlende Licht der wichtigste formale Aspekt der Arbeit, wichtig ist aber auch – neben der räumlichen Intervention – der formale, ins skulpturale erhobene Charakter des Trägerkorpus der Neonröhren.

Der Blick auf die Arbeit des uneingeschränkten Großmeisters der Leuchtstoffröhre ist deshalb interessant, weil er hilft, einen sehr wesentlichen Aspekt der Installation „Mehr Licht“ deutlich zu machen.
Bei „Mehr Licht“ spielt das Trägermedium, der Aufbau aus Stahlträgern und Seilen eine völlig sekundäre, nahezu unwichtige Rolle. Dieser Aufbau ist vielmehr das, was ermöglicht, den Ring aus Leuchtstoffröhren auf dem Platz in einer bestimmten Höhe zur Anschauung zu bringen. Der Aufbau
ist auf das statisch Nötigste reduziert und wird ohne jeden besonderen ästhetischen Anspruch ausgeführt, er hat einen rein funktionalen Anspruch und stellt keinen eigenen Anschauungsgegenstand von Bedeutung dar. Das uneingeschränkte Interesse gilt der mithilfe der Röhren geschaffenen Lichterscheinungen, den Farbeffekten und den mit ihnen geschaffenen Musterstrukturen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit ist ihr temporärer Charakter. Wie ihr Aufbau deutlich macht, verzichtet sie bewusst auf die Ausbildung skulpturaler Werte außerhalb der Lichterscheinungen. So unterscheidet sich diese Installation von vergleichbaren Werken, von bekannten Lichtskulpturen der Kunstgeschichte. Denn es handelt sich bei „Mehr Licht“ keinesfalls um eine Skulptur, die auf dem Place Schuman zu einer temporären Ausstellung kommt, sondern vielmehr um eine für den Platz entwickelte Lichtinszenierung auf Zeit, bei der ein Ereignischarakter deutlich im Vordergrund steht.
Damit nimmt die Installation historisch gesehen eine Nähe zu Festarchitekturen und Inszenierungen auf. Dieser aufs Temporäre besonne Charakter der Installation reflektiert auf den Anlass ihrer Aufstellung, die halbjährige deutsche EU Ratspräsidentschaft.
Der Titel
Dem Augenzeugenbericht des Friedrich von Müller zufolge sollen „Mehr Licht“ die letzten Worte des Geheimrats Johann Wolfgang von Goethe gewesen sein. Als dieser am 22. März des Jahres 1832 in seinem Sessel sitzend starb, seien seine Letzten Worte gewesen: „Macht doch den zweiten Fensterladen
auf, damit mehr Licht hereinkomme!“ Für die Nachwelt hat sich der Ausspruch etabliert als ein ebenso einfaches, wie bedeutungsschwangeres: „Mehr Licht!“ Seit Müllers Bericht haben sich eine Unzahl von Interpretationen und Kommentaren mit diesem Ausspruch befasst. Dabei ist durchaus strittig, ob es sich hier um ein transzendentales Erlebnis in Todesnähe, eine späte philosophische Eingebung, oder etwa ein Goethes medizinischer Kondition geschuldeter Ausdruck von Unwohlsein handelt. Andere Autoren schließlich stellen Ausspruch und Überlieferung in Frage, da die Worte Goethes ganz anders gelautet hätten. In jedem Fall hatte und hat die Welt, was sie ganz offensichtlich braucht, die ’famous last words’ einer Geistesgröße.
Die Installation am Place Schuman schafft eins mit Sicherheit: mehr Licht! Die Bezugnahme auf Goethe lässt sich hier als Tribut an den bedeutenden Dichter verstehen. Aber er ist auch ein ironischer Kommentar zu der Art und Weise, wie gern sich nationales Kulturbewusstsein im „Land der
Dichter und Denker“ auch heute noch mit dieser Person identifizieren lässt.

Photo: Yvan Glavie

Photo: Yvan Glavie

 

Zusammenfassung
Die Installation leistet die Sichtbarmachung von urbaner Energie. Sie zeigt den dynamischen „Herzschlag“ und die in den „Verkehrsadern“ pulsierenden menschlichen Bewegungen als farbenfrohes, strahlendes Ereignis. Das eigentliche visuelle Ereignis wird dabei von den diesen Platz frequentierenden
Menschen geschaffen. Dabei wird das Licht-, Farb- und Formenereignis zu einem Abbild, einem Seismographen ihrer Mobilität und der Place Schuhmann erhält gerade aus dem heraus, was ihn bisweilen unattraktiv erscheinen lassen kann – Verkehr und davon erzeugter Straßenlärm – eine
neue positive Gestalt. Vielmehr noch wird der in Licht und Farbe übersetzte lästige Lärm Ausgangspunkt für einen ungewöhnlichen innerstädtischen Dialog, bei dem sich die unterschiedlichen, allesamt im öffentlichen Raum begegnenden Verkehrsteilnehmer, Signale zukommen lassen können.
Mit seiner Ausrichtung auf sämtliche räumliche Ebenen des Platzes, bringt „Mehr Licht“ den Place Schuman als einen zusammenhängenden städtischen Raum ins Blickfeld. Es bleibt zu hoffen, dass dem solchermaßen ins Licht gerückten Platz mehr Beachtung zukommt, gepaart mit der Einsicht,
dass ein solcher Ort als wichtiger öffentlicher Raum durchaus mehr gestalterische Aufmerksamkeit verdient.
In ihrer Gestaltung als temporäre Installation trägt „Mehr Licht“ dem Anlass ihrer Entstehung als Beitrag zur zeitlich begrenzten deutschen EU Ratspräsidentschaft Rechnung. Und als fulminantes Lichtereignis sendet die Installation hierdurch – mit kritischem Unterton und in keinem ihrer Aspekte ohne Ironie – farbenfrohe Lichtsignale an Europa.
Rafael von Uslar