Everyone is an Island

Everyone is an Island, 2011

Kuratiert von Anny und Sibel Öztürk

Ausstellung im Hauptbahnhof Offenbach zur Buchmesse mit dem Schwerpunkt „Island“.

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Partizipierende Künstler: Anna Lindal, Levent Kunt, Markus Bujak, Troy-Anthony Baylis

Jeder Mensch ist irgendwie und irgendwo eine Insel, Künstler sind dazu noch wandernde Inseln, die häufig miteinander kollaborieren. Island und wie das funktionieren kann, das ist von 22. 9 bis zum 22.10 im Offenbacher Hauptbahnhof zu sehen. In Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturprogramm der Buchmesse „Sagenhaftes Island“ und dem Forum Kultur und Sport der Stadt Offenbach ist eine Ausstellung entstanden, die in der ehemaligen Schalterhalle und den Ausstellungsräumen der Hochschule für Gestaltung im Hauptbahnhof Offenbach isländische Künstler präsentiert und nicht isländische, die sich entweder mit dem Thema Island befassen, oder die wie Troy- Anthony Baylis in Island gelebt und gearbeitet haben.

Kuratiert wurde die Ausstellung von den beiden Offenbacher Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk.

In der Galerie stellt die isländische Künstlerin Anna Lindal ihre Videoinstallation „Borders“ aus, ein sehr persönliches Stück Island, zu dem der Betrachter eingeladen wird.

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Die zweite Installation „Fabulous Offenbach“ der Künstlerin holt den Garten ins Haus, die Grenzen zwischen Natur und gebautem Raum verschwimmen.

 

Levent Kunt importiert mit „Mimesis“ ein Stück Reykjavik, der Ausstellungsraum passt sich während der Ausstellung ständig den klimatischen Gegebenheiten der Stadt im hohen Norden an.

 

Die Foto- und Handarbeiten von Troy-Anthony Baylis „Installations for Tomorrow“ verwandeln den ehrwürdigen Baum der ehemaligen Bahnhofsgaststätte in ein Gerüst und in eine Projektionsfläche. Allen Künstler der Ausstellung ist gemein, dass sie sich mit dem urbanen Leben und der Natur befassen und den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung liebevolle und überraschende Innen- und Außenansichten eines Landes zeigen, das sich nicht nur durch seine raue und wechselhafte Natur auszeichnet, sondern auch starke Künstler und Filmer zu bieten hat.

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Einen besonderen Kontrapunkt stellte die wiederbelebte ehemalige Schalterhalle dar, in der Markus Bujak mit seiner Rauminstallation Sirkus Bar die Frage aufwarft: Reisezentrum oder Bar? Zutaten zu der außergewöhnlichen Arbeit wurden isländische Musik, isländische Getränke und isländische Filme. Was zunächst vielleicht auf den ersten Blick als Bar erschien, entpuppte sich als persönliches Reisezentrum. Daneben wurden in dem ehemaligen Reisezentrum durchgehend unter anderem Filme von unterschiedlichen isländischen Filmemachern wie Sigor Rós oder Egill Sæbjörnsson gezeigt.

 

 

 

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unspeakable home – Buchprojekt

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die luft kühlt langsam etwas ab, die stadt kommt ein wenig zur ruhe. das sonnenlicht schwingt sich friedlich durch die hohen fenster ins haus, streift dabei das gitterartige netz des fenstergerüsts, erreicht die kissen, die auf dem am fenster stehenden diwan aufgereiht sind, berührt fast jedes einzelne blatt der zimmerpflanze, geht die linien des beistelltisches ab und endet als zauberhaftes licht -und schattenspiel auf den bildern und der tapete an den wänden und auf dem ornamentalen muster des seidenen orientteppiches auf dem boden.

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ich lasse die goldenen strahlen der abendsonne durch meine geschlossenen lider dringen und empfange ihre warmen berührungen auf meinem gesicht. und ich brauche die augen nicht zu öffnen, um das wohnzimmer meiner großeltern, das haus meiner oma, zu beschreiben. es ist eingetaucht in goldenes licht. von zwei seiten dringt dieses üppig und hell hinein.

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die fensterfronten recken und strecken sich von einer wand zur anderen und sind fast bodentief und deckenhoch. das schachbrettartige muster der schatten rastert den raum und die sonne scannt jeden gegenstand, der sich ihr in den weg stellt.

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es ist später nachmittag in istanbul, kurz vor der blauen stunde, kurz bevor die sonne noch ein letztes mal mit aller kraft aufleuchtet für diesen tag, dann beinahe brennend feuerrot am horizont verschwindet und das licht hinter sich ausmacht. meine lieblingszeit.

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ich liebe diese besinnliche ruhe, die für kurze zeit der hektik des tages die stirn bietet und den atem innehalten lässt. alle kinder rennen heim, die väter fahren nach hause zu ihren familien, das geräusch von schuhgeklapper verringert sich für einen augenblick, denn länger dauert sie nicht an, diese ruhige minute. dann nimmt alles wieder seinen gewohnten lauf.

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mein vater hasst diese zeit des tages. er hasst, dass alle kinder heim zu ihren müttern rennen, dass die väter von der arbeit zurückkehren und am tisch mit der familie zusammenkommen, um gemeinsam das abendessen einzunehmen. er hasst, dass sich das geräusch von schuhgeklapper verringert, um den abend einzuläuten. denn dann bringen die mütter ihre kleinen zu bett und lesen ihnen noch vor, streicheln ihnen über das haar und decken sie fürsorglich zu, geben ihnen einen gutenachtkuss. „morgen früh, wenn gott will, wirst du wieder geweckt“. ein kurzer blick der mutter noch durch den schmalen türspalt, dann dringt leise das licht aus dem flur in das kinderzimmer und verspricht geborgenheit. doch diese mutter war abwesend im hause meines vaters. der spalt in der tür blieb dunkel. kein versprechen. keine gewissheit.

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ich öffne die augen. die sonne ist weitergewandert und sie erreicht meine lider nicht mehr. das köstliche fensterblatt jedoch, die große zimmerpflanze, die durch das halbe wohnzimmer wächst, wirft seine schatten nun an die wand und auf den alten sessel, der neben dem diwan steht. es ist die lieblingspflanze meines opas, die er jahrzehntelang wie seinen augapfel gehütet hat. Ich hatte sie als baby fast zu grunde gerichtet, auf jenem sessel sitzend, ihr die blätter abgerissen. und mein opa hatte dabei zugeschaut und sich an meiner freude erfreut. das beweisfoto klebt im familienalbum und ermuntert meine eltern, mir jedes mal diese geschichte zu erzählen, wenn wir das dicke, braune buch in den händen halten.

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die stadt atmet weiter, der zauber ist gebrochen, die straße zeichnet mit langen schatten ein bild ihrer unmittelbaren umgebung. ich höre die stimmen meiner mutter und der urgroßmutter aus der küche. Sie bereiten auf dem feuer des gasherdes das abendessen zu und meine uroma gibt ihr wissen an die enkelin weiter. meine kleine schwester sitzt auf dem schoß des opas, der mit meinem vater auf dem balkon das allabendliche pläuschchen hält. Sie reden über politik, sport und über alte zeiten. meine schwester schaut opa groß an und zieht ihn an seinem weißen, osmanischen schnurrbart.


bevor die sonne ganz verglüht ist, renne ich schnell raus, laufe durch die eingangshalle, wo die glaskanister mit trinkwasser stehen, vorbei an der garderobe und dann die große außentreppe runter, in den riesigen garten, um dem tag lebwohl zu sagen. es duftet nach blumen und nach obst und erde und nach meer. süßlich und satt riecht es.

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der simitverkäufer läuft an unserem gartentor vorbei und bietet seine sesamkringel mit einem fast gesungenen ruf an: „siiiiiimiiiiiiiiiijiiiit, siiiiimiiiiiijiiiiit…“, katzen schleichen durchs tor in den garten auf ihrem weg zu ihren schlafplätzen oder sitzen auf der mauer und lecken ihre tatzen. menschen eilen noch schnell zum bakkal an der ecke, um brot und andere lebensmittel zu besorgen, bevor es nach hause geht.

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das licht spendet nun die straßenlaterne, die im fliegenden wechsel mit der sonne den versuch unternimmt, den platz vor unserem haus und die straße zu erhellen. ihr licht leuchtet schwach auf die obstbäume im garten, verfängt sich in deren blättern und früchten und verliert sich in dem dunklen gewirr der sträucher.

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ich stehe jetzt mit dem rücken an den noch warmen gitterstäben des eisernen tores gelehnt und schaue aus dem garten auf das hell erleuchtete fenster des hauses meiner oma hoch. Nun dringt das helle, warme licht der lampen aus dem wohnzimmer durch das hohe fenster, das die gesamte vorderfront des hauses einnimmt, hinaus auf den balkon, hinaus in die stadt, wie ein leuchtturm und leuchtet mich heim.

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nun sind es die inneren, die zu den äußeren schatten werden, die sich auf der fassade des hauses spiegeln, um dann in dem dichten und dunklen gewirr der pflanzen und sträucher des gartens zu verschmelzen und zu verschwinden.

auch mich nehmen sie auf in die dunkelheit.

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KorridorGalerie – StudioSatellite

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KorridorGalerie – StudioSatellite, 2010

center for young contemporary art, club, gallery and openstudio.

Die KorridorGalerie  war ein Projekt von Anny und Sibel Öztürk und befand sich von 2010 bis 2013 im zweiten Stock des Atelierfrankfurts, direkt im Korridor ihres Ateliers.

Zehn Ausstellungen wurden durchgeführt mit jungen Künstlers aus dem nationalen, wie internationalem Raum.

 

Ausstellungen

18.06.2010 Mark Ramé, Canada – Squareattackbashed banquet

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24.09.2010 Anja Conrad, Frankfurt – Let`s get it on

25.02.2011 Simon Starlink, London/Berlin – Reality Distortion Field

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„Chrystal Light Silver Screen “ (naturalized silver shower refraction), medium | foil and airbrush on aluminium , 2010 | 2010 | The silver screen. – Space for the most artificial projections on nature in a social context. This new thin sculpture by the master solution fraction at Studio Starlink is representing the monumental social idea of enjoying rays of light beamed on a silver or through a transparent surface as representatives and transformations of ideas, of recorded, created and remastered reality, as the space that can be filled with everything you ever dreamed of (or could dream of, if you would be imaginative enough). The „Chrystal Light Silver Screen“ (medium dimensions) is a monument for the total spectrum of light and a representative for upcoming computer screens which are supposed to be more vivid and natural, organic and pyrotechnical,haptic, more humane, 3-d and so on. It represents a depth in the superficialness, being superficial at the same time – a perfect contradiction revealing all inconsistencies of hours and hours we spend day by day in front of our laptop screens, waiting for the train that never comes, following texts,pictures,diversions, reflections,abstractions, our own projections and everything that is generated by the spectral ranges of our mind nobody really is aware of.Like clear shapes that are unseizable connected only by the belief of a consistency that dematerializes itself more and more by closer view on its energetic surroundings, this silver screen is an ode to the inspiration of regenerative multiplication. | © Studio Starlink 2010

 

06.05.2011 Scott Redford, Australien – PHOTO/SURF: Reinhardt Dammn + The Surf Gods Command (New Single OUT NOW)

kuratiert von Rafael von Uslar sowie Anny und Sibel Öztürk

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PHOTO/Reinhardt Dammn: THE SURF GODS COMMAND!

I stood before the hallway, intending to exhibit a bunch of guitars, then from Higher Beings I received the command: No bunch of guitars! Exhibit chunks of surfboard! At first I intended to go on but then I realised that they meant business.

BLINKY + SURFER + HAMLET = DAMMN

We’ve all seen the film. In a way it’s comforting to see an old story retold. Like a favourite children’s book. Reinhardt Dammn is a fictional/archetypal film character. He’s a charismatic, twenty-something contemporary artist/surfer dude with rock star ambitions that far outstrip his actual abilities. His energetic, frenetic, story eventually leads to his tragic, near-fatal downfall; a sort-of Surfer Hamlet tale of “I fought the law and the law won”.

This exhibition is my debt to two favourite contemporary German artworks: Sigma Polke’s Vitrinenstuck 1966 and Blinky Palermo’s Dreleck uber einer Tur (blau; schawrz), Wohnung Franz dahlem/Six Freidrich 1971.

Writer Angel Gonzalez Garcia casts Blinky Palermo as “a victim” of sorts of his teacher Joseph Beuy’s in/famous loquaciousness and myth making.

this poor silent boy thereby became the best publicity for his (Beuys’s) method…the style of Rudolf Steiner, the awkward explicit allusions to murky shamanic rites, or the climate of fanaticism and exclusivity it favoured – probably called for human sacrifices and there is no doubt that Palermo was the ideal candidate for becoming a victim: an orphan, unheard of, young and beautiful, quiet..With the brutality he so often showed, Beuys told Laszlo Glozer, “(Blinky Palermo) was only too pleased to let himself be used…” Everytime I see Beuys “explaining pictures to a dead hare”, I can’t help thinking that the hare is Palermo.” 1.

Reinhardt Dammn is no silent victim. He’s a noisy self promoter who is sure contemporary art is some hoax but also Reinhardt knows art is something he can exploit to gain power: “You can get money for that blank monochrome painting! Sweet!” However like all wannabes he blindly forgets his identity models and the ghosts he encounters roaming those dark beaches before dawn don’t give him anything at all. To his peril Reinhardt has moved from being a producer of meaning back into being a consumer. Now he will be consumed by all those dead but needy sons and fathers.

SAW THAT BOARD UP! CUT OUT THE BEGGAR! PRODUCE!

THE SURF GODS COMMAND! OSIRIS!

  1. Angel Gonzalez Garcia, ‘How to Show Pictures to a Dead Artist” in Blinky Palermo, Museu d’Art Contemporani de Barcelona 2003, ex.cat. p.85

     

     09.10.2011 Edith Kollath – In Light and in Gloom

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    Die Poesie des Immateriellen

    Edith Kollath  haucht in ihren Kunstwerken – wie Pygmalion in Ovids „Metamorphosen“ – unbelebten Dingen Leben ein. Dabei erschafft sie auf vielfältige Weise einen Kosmos ästhetischer und zum Nachdenken animierender Transformationen: von einem wiederholt und immer anders fallenden Tuch über eine (künstlich erzeugte) Wolke, die entsteht und wieder vergeht, bis hin zu atmenden Büchern, die eine ganz eigene, neue Geschichte erzählen. Edith Kollath ist sich ihrer Hybris bewusst, wenn sie, was eigentlich nur den Göttern vorbehalten ist, den menschlichen Atem zur Quintessenz ihrer Kunst erhebt. Die so entstehenden Arbeiten überzeugen durch ihre minimalistische Eleganz und ruhige Eloquenz.
    Christina Grammatikopoulou

    Pendel Video

    18.11.2011 Bertil Mark – Insight Outside

     

    24.02.2012 2151 – Schwer

    SCHWER ausgeführt von 2151

    2151 ist ein niemand in der (Kunst)Welt. 2151 ist ein Medium. Mehr nicht, Weniger nicht.

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    04.05.2012 Boris von Brauchitsch – I don´t like White

    kuratiert von Rafael von Uslar / Anny und Sibel Öztürkimg_2816

    I don’t like white

    Zwölf sehr subjektiv formulierte Thesen umkreisen Grundfragen des Mediums. Was gibt Fotografie wieder? Braucht Fotografie eine Aura? Braucht Fotografie eine Philosophie? Was bedeutet „authentisch“? Wie glaubhaft sollte Kunst sein? Woher kommt die Sehnsucht der Sammler nach dem Originalen? Ist Fotografie visualisierte Libido? Und einiges mehr.

     

     

    31.08.2012 – Troy-Anthony Baylis, Michael Maria Müller und Scott Redford – Bilder zur Sonne

    Photos: Aufbau und Eröffnung mit Kurator Rafael von Uslar, Künstler Michael Maria Müller


    kuratiert von Rafael von Uslar
    Im Sehnen suchen
    Da steht das nahe kalendarische Ende eines Sommers vor Augen, der – von einigen Regenpausen abgesehen – an übersichtlich wenigen Tagen stattgefunden zu haben scheint. Ein schmerzliches Bewusstsein schafft sich unermüdlich Bahn, dass in einigen Wochen nun wieder gilt: „Es kommen härtere Tage.“ – Sehnsucht kommt auf, die “einzje Energie”, und die gilt uneingeschränkt dem großen, himmlischen Feuerball, dem planetarischen Helden all dieser verpassten Energiegeladenen Sommertage.
    Das wirklich große Sehnen sucht das heiß Begehrte an vielen Orten, allüberall. Der aus der Frustration des Zukurzgenommenen heraussuchende Blick, ist ein unerbittlich zum Finden entschlossener. Jedes Wort, jedes Bild, jede noch so entlegene Erscheinungsform führt schließlich einmal mehr den Beweis zur Existenz des gar so schmerzlich Vermissten. Und oft ist es so, in glücklichen Momenten, dass der Blick auf dessen Bilder viel mehr zu sehen gibt und aussagekräftiger erscheint, als der Blick auf den Gegenstand des Begehrens selbst.
    Das ist dann, ohne Frage, der karge Lohn des quengeligen Vermissens, jene zur Selbsttröstung verbrämte Annahme, es lasse sich im Sehnen finden.
    Troy-Anthony Baylis: Sunset Trees, 2007 (Photo Mark Fuller)
    Ein Aborigine, der strickt. Troy-Anthony Baylis ist ein Nachkomme des Volks der Jawoyn und gehört zu den australischen Künstlern, die zugleich und mit großer Selbstverständlichkeit über ein traditionelles Formenvokabular indigener Kultur, wie auch über das Erbe westlicher Kunstgeschichte frei verfügen. Identität ist ein für Baylis wichtiges Thema, dem er sich in seinen Werken mit großem kulturellen Sachverstand und beeindruckendem Ironiebewusstsein widmet.
    Seine gestrickten Sonnenuntergänge lehnen sich motivisch an Andy Warhols Sunsets von 1972 an. Für das Marquette Hotel in Minneapolis, Minnesota schuf Warhol eine Serie von 472 Siebdrucken, von denen jeder eine originäre Einzelvariante des Grundmotivs eines relativ abstrakt gestalteten Sonnenuntergangs darstellte. Baylis bezieht sich auf dieses Motiv ohne es eindeutig zu übernehmen und gestaltet ebenfalls eine beträchtliche Zahl von Farbvarianten.
    Diese Arbeit ist voller Anspielungen. In ihrer Streifenordnung lassen die Sunsets, über die Warholsche Vorlage hinaus, auch das Motiv der Flagge der Aborigines anklingen. Das Stricken wiederum nimmt Bezug auf traditionelle Knüpf- und Webtechniken, thematisiert aber zugleich auch Aspekte männlicher und weiblicher Identität. Die Anbringung der Stricksonnenuntergänge an Bäumen im Berliner Tiergarten schließlich, versieht die Bäume mit einer Art wollenem Wärmepflaster, was man etwa als farbenfrohe Alternative zu grauem Filz verstehen könnte. Indem sie den Bäumen zur bestrickenden Rinde werden, erinnern die Wollwerke an eine große originäre Kulturtradition der Aborigines, die jedoch auch, dank ihrer touristischen Verballhornung, zu einem Begriff mit Beigeschmack geworden ist: „bark-art“.
    Sonnenuntergänge sind eines der großen kollektiven Sehnsuchtsmotive schlechthin. Unerechenbar die Zahl ihrer Abbildungen in ihren unendlichen Wiederholungen. Menschen photographieren mit nicht enden wollender Leidenschaft Sonnenuntergänge auf Reisen und dokumentieren eben das als den besonderer Moment, was überall auf der Welt sich jeden Tag genau so ereignet. Von Adelaide in den Berliner Tiergarten, auch diese Sonnenuntergänge sind weit gereist, jedoch weiter noch, denn sie haben auf ihrem Weg eine Vielzahl von Bedeutungsebenen durchlaufen.
    Scott Redford: Urinals, 2000, 2003
    Der australische Künstler Scott Redford arbeitet in einer Vielzahl von Medien. Im Bereich der Photographie gehören die Urinals zu seinen bekanntesten Arbeiten. Es handelt sich um Farbaufnahmen von modischen Metallpissoirs an öffentlichen Orten. Herrentoiletten sind Orte männlicher Intimität, die je nach persönlicher Neigung oder Abneigung, eine Vielzahl sehr unterschiedlich besetzter Perspektiven auf sich vereinen können.
    Die formale Anlage der Photographien ist denkbar einfach. Zumeist Bild füllend werden Metallfläche und Wasserspülung in den Fokus genommen. Das Bildformat ist dabei annähernd identisch mit seinem Abbildungsgegenstand. Doch alle offensichtlichen kunsthistorischen, soziologischen und sexuellen Referenzen, sollen im Kontext dieser Ausstellung nicht in erster Linie im Vordergrund der Betrachtungen stehen.
    Alle Urinals sind mit Blitzlicht aufgenommen und es ist die Reflektion des Lichtes, sein Zusammenspiel mit Metalloberflächen und eingespieltem Wasser, die zu einem, die Photographien bestimmenden Motiv wird. Und so ist es auch das Licht, das diesen Bildern trotz ihres prosaischen Gegenstandes, eine große lyrische Schönheit verleiht. Wie sich Sonnenlicht in der Oberfläche des Meeres bricht, sind es hier Kratzer im Metall, die zugleich für Brechung als auch Bündelung der Reflektionen sorgen. In der kleinen Photoedition zu Redfords Ausstellung in der Kölner Lederbar Chains schließlich, verdichtet sich dieses Spiel endgültig zur Assoziation eines romantischen Landschaftsmotivs. Und noch der Urinstein hat das Zeug zur Übersetzung in ein Licht bündelndes Wolkengebilde.
    Vor der Rinne eines Pissoirs stehen und die berührende Schönheit der Welt entdecken, was mehr kann das Zusammenspiel aus saisonal unangebrachtem Sonnenentzug und großer Kunstfertigkeit Überzeugenderes leisten?
    Michael Maria Müller: Lichtfänger, seit 2008
    tripplemDer Berliner Photograph Michael Maria Müller legt seine Arbeiten als Serien an, denen er klare Konzepte zugrunde legt, die er dann in aller Konsequenz verfolgt. Zeit ist ein wichtiges Thema seiner Projekte und wird oft auch zu einem entscheidenden Faktor seiner Arbeit. Er nimmt mitunter für eine entschiedene Bildidee, einen jahrelangen Arbeitsprozess in Kauf. In seinem Projekt Antipoden zum Beispiel photographiert Müller vom jeweils ersten bis zum letzten Licht vor Ort den Himmel an zwei auf dem Globus einander gegenüber liegenden Punkten. Ein weiteres wichtiges Thema ist das technisch in der Photographie Machbare. In der Serie Lichtfänger arbeitet Müller mit einer, nach seinen Vorstellungen für ihn umgebauten Lochkamera. Im Inneren dieser Kamera ist, in einigem Abstand zu dem die Linse ersetzenden Loch, eine hochgradig Licht abweisende Folie angebracht. Diese lässt das eintretende Licht in der Kamera herumvagabundieren und in starkem Maße gefiltert auf den Film treffen. Für das Projekt Lichtfänger hat Müller dabei zwei Versuchsanordnungen gewählt. In einem ersten Schritt hat er die Kamera in seinem Auto installiert und ist in der Algarve herumgefahren. Je nach Ausrichtung der Straße zur Sonne wurde dabei mehr oder weniger Licht aufgenommen. In einem zweiten Schritt installierte Müller die Kamera fest an einem Ort, oft über mehrere Tage hinweg. Dies ermöglichte maximale Licht-Aufnahme.
    Die so entstandenen Photos erinnern auf den ersten Blick an Aufnahmen aus Flugzeugfenstern, durch deren zerkratzten Kunststoff Lichterscheinungen und Lichtbrechungen zu sehen sind. Das, was man an Gegenständlichkeit auszumachen glaubt, sind jedoch nur optische Effekte aus dem Inneren der Kamera. Das Licht, die Präsenz und der Verlauf der Sonne, bilden sich in den Photos hingegen als abstrakter heller Balken, oder als diffuses Strichgebilde ab. Als Betrachter muss man sich vertraut machen mit den Regeln dieser Bildlichkeit, um den eigentlichen Bildgegenstand überhaupt identifizieren zu können.
    Und so sind ausgerechnet diese Bilder, die in Form einer direkten Aufzeichnung Sonnenlicht am „realistischsten“ abbilden, die abstraktesten Motive der Ausstellung. Es ist dies mühsam gefangenes Licht. Und „Es kommen härtere Tage.“
    Rafael von Uslar

 

 

23.11.2012 Geo Reisinger – Changing Views (A Sound Movie)

Changing Views is a three-dimensional sound movie that consists of dialogue, scence noises, and music, as well as the space it is presented in. This space simultaneously becomes stage, projection area and auditorium.

Sounds move through this space, continuously varying in character, composition, density and speed. Laboratory-like, new clusters are produced and set free. The visitors are compelled to produce their own internal images: an endless movie, created purely through sound.

Originally presented at Atelierfrankfurt in November 2012, it was also shown as part of „9 Conditions of Riga“ in Tallinn, Estonia, in October 2015.

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Changing Views ist ein begehbarer, dreidimensionaler Klangfilm, bestehend aus Gesprächen, Geräuschen und Musik. Präsentiert und konzipiert für einen spezifischen Ort, wird der Raum gleichzeitig Bühne, Projektionsfläche und Auditorium.
Klänge bewegen sich durch diesen Raum, kontinuierlich in Dichte, Kombinationen und Geschwindigkeit variierend, inklusive der ständig neu erzeugten Musik. Wie in einem Labor werden neue Mischungen produziert und ausprobiert, die den Betrachter, der Teil des Objektes wird, zum Schaffen eigener interner Bilder anregen

Hafenküche

hafenkuche04Photo: Paola Anziche

 

HAFENKÜCHE, 2005

hafenkuche03Photo: Pfeifle/Westermeier

Hafenküche

Die beiden Schwestern Anny und Sibel Öztürk, gestalteten ab Dezember 2005 für den Zeitraum von sechs Monaten in dem, bis dahin nur selten genutzten Lokschuppen der Hafenbahn, einen Art Kunst-Club.

Jeden Donnerstag und Samstag luden Sie ein, am frühen Abend die Hafenküche zu besuchen und dort die stückweise Metamorphose der Halle zu bewundern, das Rahmenprogramm aus Film, Musik und Installationen zu konsumieren und natürlich exquisit zu speisen.

Das Menu bestand jeweils aus einer Vorspeise, einem fleischigen und einem vegetarischen Hauptgericht, und einem Nachtisch, das mit feinen Getränken abgerundet wurde.

Das Kochen und Essen wurde flankiert von Musik, Film, Performance, Installationen und Ausstellungen.

Für die Verwandlung der acht Meter hohen Halle in einen stimmungsvollen „Dining Room“, liessen Anny und Sibel nicht nur ein komplettes Mobiliar quer durch die Republik chauffieren, sondern auch den Boden mittels eines kompletten Podests anheben. 

hafenkuche01Photo: Sandra Mann

 

Dauer-WandInstallation:

Martin Pfeifle und Christoph Westermeier „Wand- for Paul Smith“
Wandarbeit für das Hafenküchen-Projekt von Anny und Sibel Öztürk im Offenbacher Hafen 2.
Die ca. acht Mal zwölf Meter große, schon bestehende Rigipswand, ist Ausgangspunkt der in situ geplanten und ausgeführten Arbeit von Martin Pfeifle.
Jede der Rigipstafeln wird diagonal geteilt und eine Hälfte schwarz gestrichen. Durch diese Aufteilung ergibt sich ein Rautenbild, welches die vorhandene Wand mit einbezieht und so dem Betrachter die skulpturalen Momente der Architektur vor Augen führt. Pfeifle lässt somit die Wand zu einer Skulptur werden. Das auf der linken Seite gleichmäßige Rautenmuster, löst sich im rechten Teil der Wand chaotisch, der Anordnung der Tafeln entsprechend auf.
Addiert wird diese Wandarbeit mit Fotografien von Christoph Westermeier. Der Thomas Ruff Schüler, stellt drei großformatige Handybilder aus, die das Thema Raum thematisieren. Im Gegensatz zu Pfeifle, wird sich hier dem Thema jedoch durch eine Einsicht genähert. Dem Betrachter wird die Möglichkeit gegeben, mit seinen Blicken den Raum zu betreten. Aufgrund der Ästhetik der Handykamera, ergibt sich eine brüchige Farbigkeit, die in krassem Gegensatz zu Pfeifles Schwarz/Weiß-Konstruktion steht.

hafenkuche02Photo: Pfeifle/Westermeier

 

Presse:

hafenkuchebericht

kunstforumhafenkuche