Das Auge des Sammlers im Lili-Tempel

Das Auge des Sammlers II, 2016

zu Gast im Lili-Tempel in Offenbach

Die Vernissage/Austellung im Lilitempel in Offenbach, geht nur einen Abend lang.
Wladimir Kaminer wird mit seinem Filmteam von 3Sat vor Ort sein und Aufnahmen machen.

Mit freundlicher Unterstützung
von Dr. Claudia Nagel und des Amtes für Kultur- und Sportmanagement der Stadt Offenbach

Der Metzlersche Badetempel in Offenbach am Main, vom Volksmund Lili-Tempel genannt, ist ein ehemaliger klassizistischer Badetempel des Frankfurter Bankiers Friedrich Metzler in der Offenbacher Innenstadt.

Erbaut wurde der Badetempel 1798 vom französischen Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort, nachdem Metzler 1792 seinen Sommersitz nach Offenbach verlegt hatte. Der Bau gilt als Montforts einziges Werk im Rhein-Main-Gebiet, das im Ursprungszustand erhalten ist.

Der Tempel erhielt im Volksmund seinen Namen Lili-Tempel nach der Verlobten Johann Wolfgang von Goethes, Anna Elisabeth Schönemann, mit der sich dieser 1775 im umliegenden Park zu treffen pflegte. Der Park erhielt den Namen Lili-Park erst zum 100. Todestag Goethes im Jahre 1932.  – Wikipedia

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Another Brick in the Wall

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Another Brick in the Wall

An der Paul Hindemith Schule gilt es den zentralen Aufenthaltsraum der Schule zu gestalten. Diese Gestaltung soll als ein von Künstlern begleitetes Schulprojekt entwickelt werden.

Am Anfang der Entwicklung einer Gestaltungsidee steht die Frage an die Schülerinnen und Schüler, was sie sich für ihre Schule und für den Aufenthaltsraum im Besonderen wünschen. Welche Gemeinsamkeiten sie für sich entdecken.

Die künstlerische Konzeption sieht vor, dass die Schüler exemplarisch eine „Stimme“ bekommen, das heißt zu Wort kommen, mit dem, was ihnen wichtig ist.

Als Leitmotiv dient die Internationalität der Schule. Ihr Namensgeber, einer der bedeutendsten Komponisten des Zwanzigsten Jahrhunderts, lehrte und arbeitete in Deutschland, der Türkei, der Schweiz und den USA. Die internationale Wirkung seines Schaffens geht zudem bis heute noch sehr weit über diese Lebensstandorte hinaus. An „seiner“ Schule kommen Lehrende und Lernende zusammen, deren Familien in den unterschiedlichsten Nationalitäten ihr Herkommen haben. Diese Internationalität stellt einen großen Reichtum kultureller Hintergründe dar und bildet einen wesentlichen Ausgangspunkt für die Grundidee des zu entwickelnden Gestaltungsprojektes.

Zunächst einmal gilt es herauszufinden, wie viele Nationen in der Hindemith Schule vertreten sind. Die sich hier bietende Vielfalt eröffnet das Abenteuer, das ganz Besondere und je Eigene des kulturellen Herkommens ebenso zu bestimmen, wie die entscheidenden Gemeinsamkeiten zu entdecken und zu erforschen. „Viele sind wir“, heißt es in einem Gedicht von Pablo Neruda. Viele, das bedeutet nicht nur Vielzahl, es kann eben auch Vielfalt bedeuten.
Die Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk beziehen sich in ihrer persönlichen und künstlerischen Identität auf zwei Kulturen, auf Deutschland, als dem Land ihres Lebens- und Arbeitsschwerpunktes und auf die Türkei, als dem Land ihrer familiären Wurzeln. Ihre Arbeit ist wesentlich geprägt und inhaltlich bestimmt von der Verwurzelung in mehr als nur einer Kultur. Ihre Stärke ist es, in im Wortsinne vielschichtigen Erzählungen, kulturelle Muster in ihren Erzählungen zu überblenden und dabei zu erstaunlich einfachen, aber höchst eindrücklichen Bildzeichen zu finden. Ein weiterer, wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist die Offenheit für kreative Beteiligungen und Kooperationen. Eines ihrer Projekte haben sie „Labor“ genannt. Tatsächlich ist das offene Labor, die für viele geöffnete Arbeitsstätte, die große „audience-participation-number“ ein ganz wesentlicher Aspekt ihrer Arbeit.
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Ziel des Projektes ist es, den Schülern und Schülerinnen, das was sie in alltäglicher Erfahrung als aneinander fremd und trennend erleben mögen, als eine Stärke und Bereicherung zu erschließen. Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler sich die Schule als „ihren“ Ort erobern, einen Ort, den sie gestalten können, an dem ihre Interessen und Identitäten sichtbar prägende Zeichen hinterlassen.

Der Titel des Projekts zitiert mit „Another Brick in the Wall“, den 1979 veröffentlichten Welthit der britischen Rockband Pink Floyd. In dem leider etwas schlichten Text dieses Liedes werden öffentliche Bildungsaufträge ebenso als missbräuchlich verunglimpft, wie der Bau von Mauern. Während ohne Zweifel Bildung ebenso fördern kann, wie Mauern schützen und umfrieden, so wird in diesem Projekt jede Stimme, jede von den Schülerinnen und Schülern eingebrachte Idee, zu einem Baustein zum Aufbau der gemeinsam  entwickelten Wandgestaltung.

Rafael von Uslar 

Everyone is an Island

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Kuratiert von Anny und Sibel Öztürk

Ausstellung im Hauptbahnhof Offenbach zur Buchmesse mit dem Schwerpunkt „Island“.

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Partizipierende Künstler: Anna Lindal, Levent Kunt, Markus Bujak, Troy-Anthony Baylis

Jeder Mensch ist irgendwie und irgendwo eine Insel, Künstler sind dazu noch wandernde Inseln, die häufig miteinander kollaborieren. Island und wie das funktionieren kann, das ist von 22. 9 bis zum 22.10 im Offenbacher Hauptbahnhof zu sehen. In Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturprogramm der Buchmesse „Sagenhaftes Island“ und dem Forum Kultur und Sport der Stadt Offenbach ist eine Ausstellung entstanden, die in der ehemaligen Schalterhalle und den Ausstellungsräumen der Hochschule für Gestaltung im Hauptbahnhof Offenbach isländische Künstler präsentiert und nicht isländische, die sich entweder mit dem Thema Island befassen, oder die wie Troy- Anthony Baylis in Island gelebt und gearbeitet haben.

Kuratiert wurde die Ausstellung von den beiden Offenbacher Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk.

In der Galerie stellt die isländische Künstlerin Anna Lindal ihre Videoinstallation „Borders“ aus, ein sehr persönliches Stück Island, zu dem der Betrachter eingeladen wird.

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Die zweite Installation „Fabulous Offenbach“ der Künstlerin holt den Garten ins Haus, die Grenzen zwischen Natur und gebautem Raum verschwimmen.

 

Levent Kunt importiert mit „Mimesis“ ein Stück Reykjavik, der Ausstellungsraum passt sich während der Ausstellung ständig den klimatischen Gegebenheiten der Stadt im hohen Norden an.

 

Die Foto- und Handarbeiten von Troy-Anthony Baylis „Installations for Tomorrow“ verwandeln den ehrwürdigen Baum der ehemaligen Bahnhofsgaststätte in ein Gerüst und in eine Projektionsfläche. Allen Künstler der Ausstellung ist gemein, dass sie sich mit dem urbanen Leben und der Natur befassen und den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung liebevolle und überraschende Innen- und Außenansichten eines Landes zeigen, das sich nicht nur durch seine raue und wechselhafte Natur auszeichnet, sondern auch starke Künstler und Filmer zu bieten hat.

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Einen besonderen Kontrapunkt stellte die wiederbelebte ehemalige Schalterhalle dar, in der Markus Bujak mit seiner Rauminstallation Sirkus Bar die Frage aufwarft: Reisezentrum oder Bar? Zutaten zu der außergewöhnlichen Arbeit wurden isländische Musik, isländische Getränke und isländische Filme. Was zunächst vielleicht auf den ersten Blick als Bar erschien, entpuppte sich als persönliches Reisezentrum. Daneben wurden in dem ehemaligen Reisezentrum durchgehend unter anderem Filme von unterschiedlichen isländischen Filmemachern wie Sigor Rós oder Egill Sæbjörnsson gezeigt.

 

 

 

unspeakable home – Buchprojekt

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die luft kühlt langsam etwas ab, die stadt kommt ein wenig zur ruhe. das sonnenlicht schwingt sich friedlich durch die hohen fenster ins haus, streift dabei das gitterartige netz des fenstergerüsts, erreicht die kissen, die auf dem am fenster stehenden diwan aufgereiht sind, berührt fast jedes einzelne blatt der zimmerpflanze, geht die linien des beistelltisches ab und endet als zauberhaftes licht -und schattenspiel auf den bildern und der tapete an den wänden und auf dem ornamentalen muster des seidenen orientteppiches auf dem boden.

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ich lasse die goldenen strahlen der abendsonne durch meine geschlossenen lider dringen und empfange ihre warmen berührungen auf meinem gesicht. und ich brauche die augen nicht zu öffnen, um das wohnzimmer meiner großeltern, das haus meiner oma, zu beschreiben. es ist eingetaucht in goldenes licht. von zwei seiten dringt dieses üppig und hell hinein.

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die fensterfronten recken und strecken sich von einer wand zur anderen und sind fast bodentief und deckenhoch. das schachbrettartige muster der schatten rastert den raum und die sonne scannt jeden gegenstand, der sich ihr in den weg stellt.

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es ist später nachmittag in istanbul, kurz vor der blauen stunde, kurz bevor die sonne noch ein letztes mal mit aller kraft aufleuchtet für diesen tag, dann beinahe brennend feuerrot am horizont verschwindet und das licht hinter sich ausmacht. meine lieblingszeit.

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ich liebe diese besinnliche ruhe, die für kurze zeit der hektik des tages die stirn bietet und den atem innehalten lässt. alle kinder rennen heim, die väter fahren nach hause zu ihren familien, das geräusch von schuhgeklapper verringert sich für einen augenblick, denn länger dauert sie nicht an, diese ruhige minute. dann nimmt alles wieder seinen gewohnten lauf.

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mein vater hasst diese zeit des tages. er hasst, dass alle kinder heim zu ihren müttern rennen, dass die väter von der arbeit zurückkehren und am tisch mit der familie zusammenkommen, um gemeinsam das abendessen einzunehmen. er hasst, dass sich das geräusch von schuhgeklapper verringert, um den abend einzuläuten. denn dann bringen die mütter ihre kleinen zu bett und lesen ihnen noch vor, streicheln ihnen über das haar und decken sie fürsorglich zu, geben ihnen einen gutenachtkuss. „morgen früh, wenn gott will, wirst du wieder geweckt“. ein kurzer blick der mutter noch durch den schmalen türspalt, dann dringt leise das licht aus dem flur in das kinderzimmer und verspricht geborgenheit. doch diese mutter war abwesend im hause meines vaters. der spalt in der tür blieb dunkel. kein versprechen. keine gewissheit.

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ich öffne die augen. die sonne ist weitergewandert und sie erreicht meine lider nicht mehr. das köstliche fensterblatt jedoch, die große zimmerpflanze, die durch das halbe wohnzimmer wächst, wirft seine schatten nun an die wand und auf den alten sessel, der neben dem diwan steht. es ist die lieblingspflanze meines opas, die er jahrzehntelang wie seinen augapfel gehütet hat. Ich hatte sie als baby fast zu grunde gerichtet, auf jenem sessel sitzend, ihr die blätter abgerissen. und mein opa hatte dabei zugeschaut und sich an meiner freude erfreut. das beweisfoto klebt im familienalbum und ermuntert meine eltern, mir jedes mal diese geschichte zu erzählen, wenn wir das dicke, braune buch in den händen halten.

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die stadt atmet weiter, der zauber ist gebrochen, die straße zeichnet mit langen schatten ein bild ihrer unmittelbaren umgebung. ich höre die stimmen meiner mutter und der urgroßmutter aus der küche. Sie bereiten auf dem feuer des gasherdes das abendessen zu und meine uroma gibt ihr wissen an die enkelin weiter. meine kleine schwester sitzt auf dem schoß des opas, der mit meinem vater auf dem balkon das allabendliche pläuschchen hält. Sie reden über politik, sport und über alte zeiten. meine schwester schaut opa groß an und zieht ihn an seinem weißen, osmanischen schnurrbart.


bevor die sonne ganz verglüht ist, renne ich schnell raus, laufe durch die eingangshalle, wo die glaskanister mit trinkwasser stehen, vorbei an der garderobe und dann die große außentreppe runter, in den riesigen garten, um dem tag lebwohl zu sagen. es duftet nach blumen und nach obst und erde und nach meer. süßlich und satt riecht es.

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der simitverkäufer läuft an unserem gartentor vorbei und bietet seine sesamkringel mit einem fast gesungenen ruf an: „siiiiiimiiiiiiiiiijiiiit, siiiiimiiiiiijiiiiit…“, katzen schleichen durchs tor in den garten auf ihrem weg zu ihren schlafplätzen oder sitzen auf der mauer und lecken ihre tatzen. menschen eilen noch schnell zum bakkal an der ecke, um brot und andere lebensmittel zu besorgen, bevor es nach hause geht.

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das licht spendet nun die straßenlaterne, die im fliegenden wechsel mit der sonne den versuch unternimmt, den platz vor unserem haus und die straße zu erhellen. ihr licht leuchtet schwach auf die obstbäume im garten, verfängt sich in deren blättern und früchten und verliert sich in dem dunklen gewirr der sträucher.

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ich stehe jetzt mit dem rücken an den noch warmen gitterstäben des eisernen tores gelehnt und schaue aus dem garten auf das hell erleuchtete fenster des hauses meiner oma hoch. Nun dringt das helle, warme licht der lampen aus dem wohnzimmer durch das hohe fenster, das die gesamte vorderfront des hauses einnimmt, hinaus auf den balkon, hinaus in die stadt, wie ein leuchtturm und leuchtet mich heim.

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nun sind es die inneren, die zu den äußeren schatten werden, die sich auf der fassade des hauses spiegeln, um dann in dem dichten und dunklen gewirr der pflanzen und sträucher des gartens zu verschmelzen und zu verschwinden.

auch mich nehmen sie auf in die dunkelheit.

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Frankfurter Zimmer (Re-Collection)

Re-Collection“ and „Dresdner Zimmer“

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Anny and Sibel Öztürk`s works are founded on the experience of their parents immigration to Germany in the `70s. Anny was born in Turkey, Sibel in Germany, but they were both brought up in Frankfurt. They know their own Turkish past/identity (only) from pictures, stories and some visits to Turkish relatives. In their „Frankfurter Zimmer („Re-Collection“) they reconstructed a (their) Turkish room – based on a mixture on narrative, memory and imagination. The room contains various pieces of furniture, (their) toys, old photographs and documents, and a replica of their aunts beloved divan, all in `70s style. Super-8 films of the two girls are shown on a television. A series of color drawings on the wall shows the little black haired Anny in the first year of her life:“I could already talk when I was only six month old. The thing I loved doing most was watching people and listening to them“, it says under a picture from the „Familienalbum“ series.

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The Frankfurter Zimmer is more than a reconstruction of a Turkish identity that ultimately – like the room itself – has to remain incomplete. The so called „Dresdner Zimmer“ was created as a counterpart to the Frankfurter Zimmer. The Öztürks travelled to the former GDR for the first time in the year 2000, where they found places that seemed to fit precisely with their image of East Germany. They also believed that the GDR was gray, bleak, dull, sunless ect. The Czech, Polish and generally Eastern European movies that they saw as children, like „Lucy der schrecken der Strasse“, „Die Zauberbraut“, „Das eiserne Herz“, ect, ultimately shaped their image of the GDR, which seemed to be generally much less colourful than the Federal Republik. In their „Dresdner Zimmer“ the Öztürk`s realized an image that they had had in their heads for years. They used cardboard, fabric and self-adhesive imitation woodgrain plastic veneer to built an armchair, a sofa, a table and a sideboard. Stills taken from well-known Defa movies hung on the walls of the room. The Frankfurter Zimmer and the „Dresdner Zimmer“ relate to each other and the way the rooms were constructed is made absolutely clear: the reconstructions are obviously reconstructions, the furnishings are fragmentary, just enough to show the intended function of the individual rooms.

The Öztürk`s projection of East Germany is just as much based on clichéd conceptions as the image of their own cultural identity is, the latter in turn being built on a specifically German conception of what Turkish culture is. Cultural identity appears in the work of Anny and Sibel Öztürk`s as a construct.“

Barbara Steiner

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