Jolie Charité

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Jolie Charité (2007)

Auf einer Wand findet sich ein aus einzelnen Leuchtbuchstaben gebildeter Schriftzug. Daneben hängt links eine Zeichnung mit Textzusatz und rechts eine Reihe von Photographien. Vor der Wand, frei im Raum, befindet sich ein thekenartiges Möbel, auf dem Informationsmaterial zum Projekt „Jolie Charité“ ausliegt.
Jeder einzelne Buchstabe steht zusammen mit einer Zeichnung zum Verkauf. Mit dem Erwerb des Kunstwerkes geht die Übernahme einer einjährigen Patenschaft für ein Kind bei SOS-KInderdorf oder eine Projektpatenschaft bei Unicef einher. Photographien der im privaten Bereich der SammlerInnen installierten Buchstaben ergänzen die Installation.

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Jolie Charité besteht aus zwei Installationen, die unabhängig voneinander gezeigt werden. Einmal wird mit demSchriftzug aus farbigen Leuchtbuchstaben auf weißer Wand der Name der legendären amerikanischen Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Josephine Baker ausgeschrieben, und einmal der Name der amerikanischen Filmschauspielerin Angelina Jolie.

Jeder einzelne Buchstabe hat seine eigene Stromzufuhr und ein deutlich sichtbares längeres Kabel mit eigenem Stecker. Eine Vielzahl von Mehrfachsteckern
am Boden bündeln die Kabel und ermöglichen, dass der Namenszug an der Wand leuchtend erstrahlen kann.
Den mehrfarbig gestalteten Namenszug gibt es für zukünftige Fassungen dieser Installation in verschiedenen Farbfassungen. Im Raum befindet sich ein thekenartiges Möbel, das sich durch Schlichtheit und gestalterische Klarheit auszeichnet. Auf dieser Theke befinden sich von den Künstlerinnen gestaltete Informationsbroschüren,
die über das Projekt „Jolie Charité“ und sein Anliegen informieren, sowie Material der Organisationen UNICEF und SOS-Kinderdorf.
Neben Schriftzug und Theke hängt je eine Zeichnung, die motivisch und mit Text in das Projekt einführt. Daneben sind einige Photos an der Wand angebracht.

Die Zeichnung Jospehine Baker

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Die Zeichnung nimmt ein Photo zur Vorlage, auf dem Josephine Baker mit all ihren Kindern versammelt zu sehen ist. Gemeinsam pusten sie die Kerzen auf einer Geburtstagstorte aus, wer genau Geburtstag hat zu diesem Anlass ist nicht zu erkennen, denn alle Kinder gemeinsam sind Protagonisten dieses Anlasses. Die Zeichnung hat
den Textzusatz: Ich selbst kannte sie lange Zeit nur als „die Tänzerin mit dem gelben Bananenröckchen“.
Josephine Baker adoptierte 12 Kinder verschiedener Hautfarben und Ethnien, damit protestierte sie auf ihre Art gegen den Rassismus. Oh, jolie Charitè!
Josephine Baker starb 1975 nach einem sensationellen Come-Back. Im Jahr 1975 war Anny Öztürk fünf Jahre alt und Sibel Öztürk wurde geboren. Für die Künstlerinnen ergibt sich folgerichtig die ihrer Zeitgenossenschaft entsprechende Rezeption der Ereignisse, die eine Nachfolge vor dem Vorbild sichtbar werden lässt. Das heißt: Die im Hier und Jetzt agierende Angelina Jolie lenkt den Blick zurück auf ihr historisches Vorbild.

Die Zeichnung Angelina Jolie

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Das aquarellierte Blatt zeigt das amerikanische Schauspielerehepaar Brad Pitt und Angelina Jolie mit ihrer aus Äthopien stammenden Adoptivtocher Zahara und ihrem aus Kambodscha stammenden Adoptivsohn Maddox.
Die multikulturelle Familie hat sich in ihrer Küche und um eine frei im Raum installierte Spüle versammelt. Vor dem Paar steht ein Teller mit Obst, von denen Pitt isst. Jolie hält den Mund geöffnet, wie um zu einem breiten Lächeln oder einem Lachen anzusetzen. Der momenthafte Eindruck der Szenerie verstärkt den Charakter des Privaten. Zugleich jedoch wirken die Haltungen der Dargestellten wie Posen, was die Situation eher als Teil einer
offiziellen „Home-Story“ erscheinen lässt. Hinter der Familie gibt eine offene Tür den Blick auf einen Flur und weitere Zimmer frei. Links neben den Personen hängt an der Wand ein mit einem frei über die Wand geführten schwarzen Kabel, als Leuchtmittel gekennzeichnetes rotes Objekt in der Form eines accent agui. Unter der Zeichnung findet sich ein Textzusatz:
„Mir gefällt die Idee, das accent aigu von der Berliner Charité zu entwenden. Ich würde es Angelina Jolie schenken. Sie soll es in ihre Küche hängen und als Wandleuchte nutzen, wenn sie mit ihrer bunt gewürfelten Familie Zuhause kocht. Das accent aigu sollte so zu ihrem Leben gehören, wie ein weiteres adoptiertes Kind etwa.“

Das Projekt
Die einzelnen Buchstaben des Schriftzuges der Installation stehen zum Verkauf. Jeder erworbene Buchstabe wird mit einer Zeichnung begleitet, einem Original in Serie, die mit der in der Installation gezeigten Zeichnung identisch ist. Zusammen mit dem Leuchtbuchstaben und der Zeichnung wird „automatisch“ eine im Verkaufspreis
inbegriffene einjährige SOS-Kinderdorf für ein Kind oder eine Unicef Projektpatenschaft übernommen.
Die geneigten SammlerInnen sind aufgefordert, die erworbenen Buchstaben zusammen mit der Zeichnung im eigenen Heim zu installieren und den Leuchtbuchstaben als Lampe zu benutzen. Dabei wäre es wünschenswert, würden die Leuchtkörper im Bereich des alltäglichen Umfelds platziert und aufgenommen.

Die Photographien

Die solchermassen im privaten Umfeld integrierten Buchstabenlampen werden, bevorzugtermassen mit den ins Bild gerückten SammlerInnen, von den Künstlerinnen dokumentiert. Diese Photos werden zu einem Bestandteil der Installation im Museum.

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Die solchermassen im privaten Umfeld integrierten Buchstabenlampen werden, bevorzugtermassen mit den ins Bild gerückten SammlerInnen, von den Künstlerinnen dokumentiert. Diese Photos werden zu einem Bestandteil der Installation im Museum.

Jospehine Baker und Angelina Jolie

Die legendäre amerikanische Künstlerin Josephine Baker war eine der bedeutendsten Entertainerinnen ihrer Zeit.
Sie war eine Vorreiterin im Kampf gegen Rassentrennung und Rassismus, Mitglied der Restistance und sprach als einzige Frau bei Martin Luther Kings Marsch auf Washington. Für ihr politisches Engagement wurde sie mit zwei der höchsten politischen Auszeichnungen Frankreichs geehrt, dem Croix de Guerre und der Mitgliedschaft in
der Légion d`Honneur. Seit 1950 startete sie ihr eigenes, privates „Experiment der Brüderlichkeit“, indem sie eine Familie gründete und seit 1950 12 Kinder unterschiedlicher nationaler, ethnischer und religiöser Herkunft adoptierte. Diese Familie bezeichnete sie als „The Rainbow tribe“ und verstand ihr Familienleben als ein wegweisendes politisches, kulturelles und soziales Vorbild.
Diesem großen und überaus beeindruckenden Vorbild folgt die amerikanische Filmschauspielerin Angelina Jolie seit einigen Jahren mit dem Konzept, über Adoptionen eine große multikulturelle Familie aufzubauen. Seit ihrer Ehe mit Brad Pitt wird diese Familie auch um eigene Kinder ergänzt. Auch Jolie spricht so folgerichtig von ihrer
„Regenbogenfamilie“. Angelina Jolie und Bratt Pitt stellen ihre große internationale Bekanntheit und Popularität in den Dienst internationaler politischer und sozialer Arbeit. Angelina Jolie ist seit 2001 „Botschafterin der guten Hoffnung“ des United Nations High Commissioner for Refugees; eine Aufgabe, die sie mit großem Engagement wahrnimmt und für die sie 2005 mit dem „Global Humanitarian Action Award“ ausgezeichnet wurde. Jolie ist außerdem Unicef-Botschafterin. Gemeinsam mit ihrem Mann unterstützt sie zahlreiche internationale Hilfsprojekte und globale Interessengruppen.
Beide Frauen eint der Wille, außerhalb des öffentlichen Engagements für ihre politischen und sozialen Überzeugungen auch das Familienleben als eine Frage des politischen und sozialen Engagements dann dochbedingt öffentlich und multikulturell mit klarer politischer Signalwirkung zu gestalten.

„Jolie Charité“

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Die Installation nimmt das vorbildliche Beispiel sozialen Handelns der beiden Frauen Josephine Baker und Angelina Jolie symbolisch auf und verpflichtet spielerisch und mit Humor die Sammler/innen zu einer Teilnahme.
Im Zusammenspiel mit der über das Kunstwerk im Projekt vermittelten Patenschaft geht es hier um mehr als um den Erwerb einer weiteren künstlerischen Arbeit. Ein Erwerb bedeutet eine Teilnahme an dem Projekt „Jolie Charité“. Es wäre wünschenswert, würden die Sammler/innen vor diesem Hintergrund ein Leben mit den Leuchtbuchstaben gleichsam als „Adoption“ des Objektes in die eigenen Lebenszusammenhänge begreifen.
So legt das Projekt „Jolie Charité“ eine Nachahmung des leuchtenden Beispiels von Josephine Baker und Angelina Jolie nahe, auch wenn die Sammler/innen im Gegensatz zu diesen beiden Frauen in ihrem Zuhause nicht ein Kind, sondern vielmehr eine Lampe aufnehmen. Diesen Lampen jedoch ist ein in jeder Hinsicht erhellendes Wirken zu wünschen!

Rafael von Uslar
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