Länderboten

Länderboten

Imaginäres Parlament

Klingspormuseum Offenbach, 2013

80ba5214c3 - Kopie

Anny Öztürk, Sibel Öztürk, Heiner Blum

Offenbach ist die internationalste Stadt der Republik. Hier wohnen Menschen aus 156 Nationen. Insgesamt gibt es 193 anerkannte Staaten weltweit.

Mit dem Projekt Länderboten geben die Künstler Anny Öztürk, Sibel Öztürk und Heiner Blum einer Bürgerin oder einem Bürger jeder der hier vertretenen Nationen eine Stimme und schaffen somit ein imaginäres Parlament.

Die Grundlage dazu bilden Gespräche und Interviews, in denen Bürgerinnen und Bürger Statements und Utopien formulieren, die von den Künstlern in grafischer Form umgesetzt werden. Für die Zeit zwischen dem 3. Dezember 2013 und dem 2. März 2014 versammelt sich das Plenum der Botschaften und Bilder in einer Ausstellung im Offenbacher Klingspor-Museum. In Postergröße ausgedruckt, bedecken die Portraits und Grafiken die Innenwände des Museums und bilden so die vielgestaltige Stimme einer internationalen Stadt.

Es wurden bereits 111 Länderboten gefunden. Für die Dauer der Ausstellung wurden Boten aus den verbleibenden Ländern gesucht, die dann im Klingspor-Museum von den Künstlern interviewt und portraitiert wurden.

Länderboten ist ein Projekt zum Büchner-Jahr 2013 im Auftrag des Amts für Kulturmanagement der Stadt Offenbach.

 

Werbeanzeigen

ring ring ring+12

ring ring ring + 12

Malerei und Plastik, Lichtinstallation

Frankfurt Internationals, Frankfurter Kunstverein, 2010

Öztürk_Ring_Ring_Ring_Installationsansicht_Foto_Norbert_MIguletz_3 - Kopie

 

Anny und Sibel Öztürk inszenieren Räume, die anhand von auto-biografischen Geschichten von den Veränderungen der türkischen Kultur erzählen. In Ring, Ring, Ring liegen zwei in ihrer Holzkonstruktion anachronistisch wirkende Strom- und Telefonmasten im Raum bzw. werden von verschiedenen Schnüren daran gehindert, vollends umzustürzen. Sie sind untereinander durch blau leuchtende, verdrehte Leuchtstoffkabel verbunden, mit denen potentiell optisch codierte Nachrichten im Morseverfahren gesendet werden könnten, die in der Installation jedoch zum Teil abgerissen sind.
Medien wie der Telegraf wurden erfunden, um Botschaften in ferne Räume zu übermitteln bzw. aus diesen Botschaften zu empfangen. Durch die Telekommunikation wird die Welt, so die utopische Vorstellung Marshall McLuhans, zu einem „globalen Dorf“.


In einem in der Installation ausgestellten Text erzählt eine Ich-Erzählerin von den gemeinsamen Spaziergängen mit ihrem Vater, auf denen er von einer paradiesgleichen Kindheit in Istanbul berichtet: Die üppigen Gärten in der Nachbarschaft, aus denen er sich versorgt, die Abenteuer am Meer. Wenn die Ich-Erzählerin bei der Beschreibung der in Istanbul lebenden Menschen, denen sie auf den Gängen mit ihrem Vater begegnet, davon erzählt, dass alle „miteinander verbunden, geradezu verwoben“ sind „mit Erinnerungen und Geschichten, die einen Stadtteil damals zu einer Gemeinschaft machte“, bietet der Text eine Deutung der Installation. Sind hier die funktionierenden, wirr gespannten Kabel Symbol einer komplexen innerstädtischen Gemeinschaft, so werden die umstürzenden Masten und die zerrissenen, kalt leuchtenden Kabel der Installation Zeichen des Verfalls, ihrer Zerstreuung im „globalen Dorf“. Die Kombination von einem aktuellen Medium der Telekommunikation, den Leuchtstoffkabeln, mit alten Holzkonstruktionen visualisiert zudem die zunehmend parallelen Welten, die in einer globalen Welt existieren.


FKV