ring ring ring+12

ring ring ring + 12

Malerei und Plastik, Lichtinstallation

Frankfurt Internationals, Frankfurter Kunstverein, 2010

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Anny und Sibel Öztürk inszenieren Räume, die anhand von auto-biografischen Geschichten von den Veränderungen der türkischen Kultur erzählen. In Ring, Ring, Ring liegen zwei in ihrer Holzkonstruktion anachronistisch wirkende Strom- und Telefonmasten im Raum bzw. werden von verschiedenen Schnüren daran gehindert, vollends umzustürzen. Sie sind untereinander durch blau leuchtende, verdrehte Leuchtstoffkabel verbunden, mit denen potentiell optisch codierte Nachrichten im Morseverfahren gesendet werden könnten, die in der Installation jedoch zum Teil abgerissen sind.
Medien wie der Telegraf wurden erfunden, um Botschaften in ferne Räume zu übermitteln bzw. aus diesen Botschaften zu empfangen. Durch die Telekommunikation wird die Welt, so die utopische Vorstellung Marshall McLuhans, zu einem „globalen Dorf“.


In einem in der Installation ausgestellten Text erzählt eine Ich-Erzählerin von den gemeinsamen Spaziergängen mit ihrem Vater, auf denen er von einer paradiesgleichen Kindheit in Istanbul berichtet: Die üppigen Gärten in der Nachbarschaft, aus denen er sich versorgt, die Abenteuer am Meer. Wenn die Ich-Erzählerin bei der Beschreibung der in Istanbul lebenden Menschen, denen sie auf den Gängen mit ihrem Vater begegnet, davon erzählt, dass alle „miteinander verbunden, geradezu verwoben“ sind „mit Erinnerungen und Geschichten, die einen Stadtteil damals zu einer Gemeinschaft machte“, bietet der Text eine Deutung der Installation. Sind hier die funktionierenden, wirr gespannten Kabel Symbol einer komplexen innerstädtischen Gemeinschaft, so werden die umstürzenden Masten und die zerrissenen, kalt leuchtenden Kabel der Installation Zeichen des Verfalls, ihrer Zerstreuung im „globalen Dorf“. Die Kombination von einem aktuellen Medium der Telekommunikation, den Leuchtstoffkabeln, mit alten Holzkonstruktionen visualisiert zudem die zunehmend parallelen Welten, die in einer globalen Welt existieren.


FKV

Ring Ring Ring

Ring Ring Ring

Eine Installation für einen Außen- oder einen Innenraum

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Die Installation besteht aus einem 4-5 Meter hohem Mast. In seinem oberen Drittel ist dieser Mast, aus grob behauenem, imprägniertem Holz, mit hölzernen Verstrebungen versehen. Diese weisen in leicht diagonaler Anlage in verschiedene Himmelsrichtungen und dienen der Befestigung von unterschiedlich farbigen Elektroluminiszenzkablen, mit denen bei einer Innenrauminstallation unterschiedliche Punkte an den Wänden eines Raumes oder bei einer Außenaufstellung über einen Platz oder über den Straßenraum hinweg verschiedene Gebäude, oder aber auch einzelne Laternenmasten miteinander verbunden werden.

Die Skulptur erinnert an hölzerne Strommasten, wie sie in der frühen Technikgeschichte städtischer Elektrifizierung und Telekommunikation das Bild von öffentlichem Raum wesentlich geprägt haben. In seiner spezifischen Gestaltung jedoch nimmt die Skulptur deutlich jene eher ländliche Mastengestaltungen zum Vorbild, denen stets der Eindruck des sowohl flüchtig als auch unbeholfen Selbstzusammengezimmerten anhaftet. In dieser scheinbar provisorischen Gestaltung und der Anspielung auf einen technischen Anachronismus bildet die Skulptur einen ironischen Kontrast zum modernen urbanen Raum aus.


Dabei fungiert sie Skulptur zuerst einmal als ein lyrisch anmutendes Zeichen, das eine dynamische Vernetzung innerhalb eines Raumes, oder außen von umliegenden Gebäuden und Objekten mit Licht und Farbe herstellt. Mit der zweck-ungebundenen Gestalt leuchtender Kabel verbindet sich über die Gestalt des Mastes eine Vorstellung von Vernetzung mit Energie und Möglichkeiten der Telekommunikation. Und in der Tat lassen sich über die Leuchtstoffkabel in einem optisch erfassbaren Morseverfahren kodierte Nachrichten übermitteln. Hier verbindet sich das Bild städtischer Moderne und modernster Technologie mit einem Zeichen für technischen Anachronismus. Darin verweist die Skulptur zum einen in die Vergangenheit, in der Vernetzungen und Verbindungen anschaulich den öffentlichen Raum strukturierten und weißt damit ex negativo auf die scheinbar gänzlich unsichtbar gewordene wenngleich viel umfassendere Form moderner Energie- und Kommunikationsversorgung hin.

Vor allem aber weißt das Bild des technischen Anachronismus auf Verhältnisse und Gegebenheiten hin, wie sie zeitgleich zu dieser den Platz charakterisierenden Moderne eine bestimmende Realität in anderen Teilen Europas darstellen. Ein Europa, das nicht nur auf vergleichsweise engem Raum in unterschiedlichen Verhältnissen koexistiert, sondern in zunehmendem Maße sich verbindet und politisch und ökonomisch zu einer Einheit zusammenwächst.

Diesem Kontrast, dieser Spannung verschiedener Verhältnisse in Koexistenz und Zusammengehörigkeit, verleiht der „Strommast“ eine heiter ironische Lichtgestalt.

Rafael von Uslar